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Spülungsanleitung zur chemischen Reinigung von Kühlkanälen in Bootsmotoren

Bei Motoren, die über mehrere Jahre mit Seewasser gekühlt wurden, lagern sich Sand und Schmutzpartikel in den Kühlkanälen ab und bilden, in Verbindung mit dem aus dem Wasser ausgefällten Kalciumkarbonat (Kesselstein) eine harte Ablagerungsschicht.

Diese Ablagerungsschicht reduziert mit der Zeit die Kühlwasser-Durchflussmenge so weit, dass die Motorwärme nicht mehr ausreichend abgeführt wird und dem Motor dadurch Überhitzungsschäden drohen.

Sobald ein Anstieg der Kühlwassertemperatur auf eine Verengung der Kühlkanäle schließen lässt, in jedem Falle aber vor Montage eines Zweikreiskühlungs-Bausatzes am Motor, empfiehlt sich die sorgfältige Reinigung der Kühlkanäle.

Solange grundsätzlich noch keine Kühlkanalverschlüsse durch Ablagerungen vorliegen, kann diese Reinigung kostengünstig auf chemischem Wege versucht werden, anderenfalls bleibt nur die Zerlegung des Motors und mechanische Entfernung der Ablagerungen.

Die nachfolgende Spülanleitung geht von 2- bzw. 3-Zylinder-Dieselmotoren mit ca. 10-20 kW Leistung aus. Bei größeren Maschinen erhöht sich die Spülmittelmenge entsprechend.

Spülungsanleitung zur chemischen Reinigung von Kühlkanälen in Bootsmotoren
  1. Motor bei leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl ca. 15 Minuten lang warmfahren.
     
  2. Motor abstellen, Seeventil schließen.

  3. Thermostat entfernen. Die Thermostatgehäuse-Dichtgummis sind im Motor zu belassen. Thermostatdeckel wieder schließen.

  4. Kühlkreislauf entwässern. Anschließend Ablasshähne wieder schließen.

  5. Den Kühlwasser-Ansaugschlauch vom Seeventil abziehen und in einen Eimer führen.

  6. Den Kühlwasser-Rückführungsschlauch vor der Auspuffeinleitung abziehen, ggfs. verlängern und ebenfalls zu dem unter 5. angeführten Eimer führen. Vor den Schlauchaustritt im Eimer einen Nylonstrumpf o. ä. engmaschiges Gewebeteil als Filtersieb zum Abfangen des austretenden Schmutzes befestigen.

  7. Einen Liter Essigessenz (80%ig) mit 8-9 Liter Wasser verdünnen. Angestrebt wird eine ca. 8-10%ige EssigsäurelösungBitte, äußerste Vorsicht beim Hantieren mit der Essigessenzlösung. Tragen Sie Handschuhe, bei Spritzern auf Haut oder Kleidung sofort reichlich mit Wasser spülen.

  8. Motor starten und ca. 2 Minuten laufen lassen, sodass die hergestellte Essigsäure aus dem Eimer angesaugt wird.

  9. Sobald die Säure wieder aus dem Rückführungsschlauch in den Eimer läuft, kann der Motor abgestellt werden.

  10. Essigsäure ca. 10-15 Minuten im Motor einwirken lassen.

  11. Motor erneut starten. Die im Motor befindliche Essigsäure wird in den Eimer zurückgepumpt, gleichzeitig wird erneut Essigsäure angesaugt. Der grobe Schmutz wird durch den Filter (Nylonstrumpf) zurückgehalten. 

  12. Beschränken Sie die Laufzeit des Motors jeweils auf ca. 1-2 Minuten, da infolge der Kühlsystem-Umleitung die Auspuffanlage nicht mehr flüssigkeitsgekühlt ist und deshalb bei längerer Laufzeit mit Überhitzungsschäden am Auspuffschlauch und -schalldämpfer zu rechnen wäre. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Kühlmitteltemperatur, aufgrund der geringen Flüssigkeitsmenge, sehr rasch sehr stark ansteigt. Deshalb darauf achten, dass es zu keiner Motorüberhitzung kommt.

  13. Reinigen Sie das Filtersieb am Rückführungsschlauch und befestigen Sie es erneut an diesem.

  14. Die Prozeduren 10 bis 13 sind solange zu wiederholen, bis keine größeren Schmutzmengen mehr ausgestoßen werden. Wir empfehlen mindestens 8-10 Spülgänge. Hinweis: Solange Gas-Perlen aus dem Eimer aufsteigen (Kohlensäure, die infolge der chemischen Reaktion des Kesselsteins mit der Säure freigesetzt wird), darf die Reinigung nicht abgebrochen werden.

  15. Nach Beendigung der Reinigung den Motorkühlkreislauf ablassen. Anschließend Hähne wieder schließen.

  16. Kühlwasserschläuche wieder an den ursprünglichen Anschlüssen anschließen.

  17. Motor starten und mit leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl so lange laufen lassen, bis das austretende Kühlwasser völlig sauber und klar ist. Wir empfehlen mindestens 45 Minuten als Spüllaufdauer zur Entfernung von losen Schmutzpartikeln und Säurerückständen.

Sollte diese Arbeit zur Zweikreiskühlungs-Montagevorbereitung gehören, ist, sofern die Yacht nicht ohnehin im Süßwasser liegt, die Abschlussspülung mittels Süsswasser-Schlauchanschluss durchzuführen, damit nicht neuerlich Salzwasser angesaugt wird.

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