Ein Bugstrahlruder erzeugt seitwärts gerichtete Schubkraft.
Diese Schubkraft muß auf das Schiff abgestimmt und bezüglich
ausreichend dimensioniert sein.
Die vom Bugstrahlruder zu überwindende Windkraft wird durch den Winddruck und den Windeinfallwinkel sowie die Überwasser-Seitenfläche der Jacht bestimmt.
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| Die seitliche Windangriffsfläche | Drehpunkt und Angriffspunkte |
Der Winddruck nimmt mit zunehmender Windgeschwindigkeit im Quadrat zu.
Für den Winddruck (WD) gilt: WD = 1/2 ρ * v²
Hierbei ist ρ die Dichte der Luft in kg/m³ und v die Luftgeschwindigkeit, gemessen in m/s.
Tabellarische Übersicht der entstehenden Winddrücke bei alternativen Windgeschwindigkeiten
| Windstärke Beaufort | Beschreibung | Windgeschwindigkeit in m/s | Winddruck in N/m² | Winddruck in kgf/m² |
| 4 | mäßige Brise | 5,5 bis 7,9 | 20 bis 40 | 2,0 bis 4,1 |
| 5 | frische Brise | 8,0 bis 10,7 | 41 bis 74 | 4,2 bis 7,5 |
| 6 | starker Wind | 10,8 bis 13,8 | 75 bis 123 | 7,7 bis 12,5 |
| 7 | steifer Wind | 13,9 bis 17,1 | 125 bis 189 | 12,7 bis 19,2 |
| 8 | stürmischer Wind | 17,2 bis 20,7 | 191 bis 276 | 19,4 bis 28,2 |
Natürlich übersteigen die Flächendrücke bei Windstärke 8 oder mehr die Schubkraft jedes vernünftig dimensionierten Bugstrahlruders. Trotzdem bleibt auch in solchen Extremsituationen die gesteigerte Manöverierfähigkeit durch das Bugstrahlruder eine wirksame Hilfe.
Der gesamte auf die Jacht wirkende Winddruck wird durch Multiplikation der seitlichen Windangriffsfläche des Schiffes mit den oben ausgewiesenen Winddrücken pro Quadratmeter errechnet. Hierbei muß jeder Skipper selbst die maximale Windstärke für sich und sein Schiff festlegen, bei der im jeweiligen Revier und unter Berücksichtigung der eigenen Fahrgewohnheiten realistisch mit Manövern zu rechnen ist.
Die bloße Anwendung von Maximalannahmen - ohne individuelle Berücksichtigung der tatsächlich wahrscheinlichen Verhältnisse - führt anderenfalls zwangsläufig zu einer Überdimensionierung der Bugstrahlruder-Anlage.
Die üblicherweise gerundete Formgebung des Überwasserschiffes erlaubt i. d. R. die rechnerische Flächenbelastung des Windes um einen Erfahrungsrichtwert von 25 % zu vermindern.
Der Drehpunkt einer Jacht ist von deren Rumpfform abhängig. Läge er bei Schiffen mit senkrechtem Bug und Heck und symetrischer Bauform genau mittschiffs, können bei Jachten mit langen Bug- oder Hecküberhängen, die eine verminderte Angriffsfläche gegenüber dem restlichen Rumpf bieten, Verschiebungen des Drehpunktes nach hinten oder vorn auftreten.
Auch die Form des Unterwasserschiffes und der daraus resultierende Widerstand kann zu einem abweichenden Drehpunkt führen.
Vereinfachend wird nachfolgend unterstellt, daß der Drehpunkt genau mitschiffs liegt. Sollte die Erfahrung im konkreten Anwendungsfall etwas anderes lehren, muß die Distanz zwischen Schiffsende und Drehpunkt entsprechend korrigiert eingesetzt werden. "Schiffsende" ist bei einem über den Bug drehenden Schiff der Bug, bei einem über das Heck drehendem analog der Achtersteven.
Das Drehmoment der Jacht bei Seitenwind ergibt sich aus der Windstärke und der Fläche vom Schiffsende bis zum Drehpunkt der Jacht. Da der Wind üblicherweise auf das Schiff in seiner gesamten Länge trifft, kann man als vereinfachende Faustformel unterstellen, daß das Drehmoment sich aus Windstärke multipliziert mit der halben Schiffslänge ergibt.
Die Schubkraft des Bugstrahlruders muß ausreichen, um das zuvor berechnete Drehmoment bei einer gegebenen Windstärke zu überwinden. Man kann die benötigte Schubkraft berechnen, indem man das zu bewältigende Wind-Drehmoment durch den Abstand zwischen Mitte Bugstrahlruder-Schraube und Drehpunkt der Jacht teilt.
Zur Verdeutlichung nachfolgend ein
Ein Schiff hat eine Länge von 11 m. Die unter Berücksichtigung des Freibordes und der Aufbauten hieraus resultierende Windangriffsfläche betrage 18 m². Der Eigner wünscht, daß das Schiff bei Windstärke 5 Beaufort noch problemlos mittels Bugstrahlruder gedreht werden kann.
Bei Windstärke 5 ist der Winddruck: WD = 41 bis 74 N/m², durchschnittlich ca. 60 N/m².
Das benötigte Drehmoment (T) beträgt:
T = Winddruck x Oberfläche - Reduktionsfaktor x Abstand Angriffspunkt bis Drehpunkt (unterstellt: ca. halbe Schiffslänge)
T = 60 N/m² x 18 m² - 25/100 x 11 m : 2 = 4455 Nm Drehmoment
Die benötigte Schubkraft (F) beträgt:
F = Drehmoment / Abstand Bugstrahlruder-Mitte bis Drehpunkt des Schiffes (angenommen sei 10,50 m)
F = 4455 Nm / 10,5 m = 420 N (42 kgf)
Das für diese Jacht geeignete Bugstrahlruder sollte mithin eine Schubkraft von mindestens 42 kgf aufweisen, um bei der unterstellten Windstärke 5 den Erwartungen des Skippers zu genügen.
Es wird empfohlen, die benötigte Schubkraft um einen Sicherheitszuschlag zu erhöhen. Bedenken Sie bitte immer, daß, abhängig von der Windangriffsfläche, der Wasserverdrängung und der Form des Unterwasserschiffes, die durch das Bugstrahlruder gelieferte Schubkraft auf jedem Schiff ein unterschiedliches Resultat ergibt.
Bei Fragen sind wir Ihnen gerne behilflich.
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